Felix Benneckenstein berichtet von den Gefahren der Manipulation durch Neonazis.

Bild:VortragAm vergangenen Mittwoch besuchte der ehemalige Neonaziaktivist Felix Benneckenstein die Klassen 9 bis 13 des Bildungszentrums der Bodensee-Schule St. Martin in Friedrichshafen und berichtete über seine Vergangenheit in der Neonaziszene Münchens und Dortmunds.

Felix Benneckenstein erzählte, dass er als 14-jähriger Schüler zunächst über die Musik des Rechtsrocks mit nationalsozialistischem Gedankengut in Berührung gekommen ist. Obwohl er aus einem liberal geprägten Elternhaus stammt, zunächst noch das Gymnasium besucht und behütet aufwächst, verfangen die Parolen und die Idee des Geschichtsrevisionismus derart, dass er mit seiner Familie bricht und in Erding eine eigene nationalistische Kameradschaft gründet.

Felix Benneckenstein betonte dabei ausdrücklich, dass er sich der Ideologie des Nationalsozialismus aus freien Stücken angeschlossen hat, obwohl er dies hätte besser wissen müssen. Seine Frau Heidi Benneckenstein hingegen, die inzwischen gemeinsam mit ihrem Mann der nationalsozialistischen Ideologie den Rücken gekehrt hat, wurde in familiär bestehende rechtsextreme Strukturen hineingeboren und bereits in ihrer Kindheit entsprechend geprägt, was Felix Benneckenstein aus heutiger Sicht als Missbrauch klassifiziert. Besonders schockierend empfanden die gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schüler dabei die Erzählungen über die Aktivitäten der Heimattreuen Deutschen Jugend, welche inzwischen verboten wurde.

Über die Jahre wird Felix Benneckenstein, trotz sich allmählich einschleichender Zweifel an dem ideologisch verklärten Weltbild, selbst zu einer Führungperson der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland. Als Musiker verbreitet er rechtsextreme Botschaften mittels von Liedtexten und beginnt so selbst Personen und Jugendliche für die nationalsozialistische Ideologie zu gewinnen. Erst ein Gefängnisaufenthalt und gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb der nationalsozialistischen Gruppierungen führen zum Bruch mit der Ideologie. Dass dieser zwei Jahre dauernde Prozess von einem Schwanken und vielen Emotionen geprägt war, machte Felix Benneckenstein den Schülerinnen und Schülern an zahlreichen kleinen Anekdoten deutlich. Erst mit Hilfe der Organisation Exit gelang es Felix und Heidi Benneckenstein endgültig aus dem rechtsextremen Milieu auszusteigen. Auch deshalb betreut Felix Benneckenstein, der die Aussteigerhilfe Bayern gegründet hat, heute als Mitarbeiter von Exit selbst Personen, die der nationalsozialistischen Ideologie den Rücken kehren wollen.

In der abschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass sein Ausstieg aus den nationalsozialistischen Strukturen und insbesondere das offensive Vorgehen gegen diese heute von den ehemaligen Kameraden als Verrat gesehen wird, was mit einem stetigen Bedrohungsszenario für Felix Benneckenstein und seine Familie einhergeht. Auch aktuelle politische Entwicklungen, insbesondere die zunehmende Akzeptanz nationalistischer und fremdenfeindlicher Äußerungen durch breite Bevölkerungsschichten, betrachtete der Referent diesbezüglich als erschreckend, was auch die zuhörenden Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken anregte.

Die detaillreichen und dennoch kurzweiligen Ausführungen von Felix Benneckenstein wurden von der gesamten Schulgemeinschaft mit einem lange anhaltenden Applaus quitiert und werden noch lange in den Köpfen der Zuhörer und auch den kommenden Unterrichtsstunden nachhallen, insbesondere die Botschaft, dass auch intelligente und familiär gefestigte Jugendliche nicht vor den Gefahren radikaler Manipulation geschützt sein müssen.



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Online gestellt von: Frau Evelyn Löscher

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