Die Strukturelemente unserer Unterrichtsorganisation - unsere Antworten im Schulalltag

Unsere Ganztagsform strebt in ihrer Zusammensetzung eine religiöse, ethische, soziale und personale Erziehung- und Bildung an. Vor allem das ganztägige Zusammenleben verlangt Ordnung, das heißt ein Zusammenwirken von Freiheit und Bindung. Gleichzeitig ermöglicht die Lebensgemeinschaft Ganztagsschule aber auch Erfahrungen in der täglichen Begegnung, die nicht an Sachverhalten festgemacht werden können.

Bild:MorgenkdreisRituale als Orientierungshilfe im Leben und so auch für eine Schulkultur unentbehrlich. Mit dem Morgenkreis beginnen wir die Schulwoche in einer ritualisierten Form, welche die Klassen zu von Vertrauen getragenen Gemeinschaften werden lassen. So erleben die Gruppen den Wochenbeginn als neu geschenkte Gabe und auch Aufgabe wenn sie gemeinsam hören, fühlen, schmecken, riechen, schreiten oder auch nur stillwerden. Anschauung und Besinnung sind Antworten auf die Herausforderung, Kindern Erfahrungen der Stille zu ermöglichen. Stillwerden heißt dabei nicht, stumm und unbeweglich werden. Vielmehr gilt es in diesem Zusammenhang ruhig zu werden, bewusst zu atmen, richtig zu schauen, erwarten können, sich besinnen zu können - Sinn zu finden.
Kreisformen haben immer schon eine besondere Bedeutung. So versammelt man sich zum Morgenkreis im Stuhl- oder auch Sitzkreis. Dabei richtet sich der Blick automatisch auf die Mitte, in der ständig wechselnde Themen durch symbolhaftes Gestalten verdeutlicht werden und meist eine Jesuskerze ihren Platz hat. Themen für die Morgenkreise finden wir im Kirchenjahr, im Jahreskreis aber auch im täglichen Leben das immer wieder Zusammenhänge und das Eingebundensein in dieses deutlich werden lässt.

Die Freie Stillarbeit - "Hilf mir es selbst zu tun" (M. Montessori)
Täglich mindestens 70 bis 90 Minuten Freie Stillarbeit ist mehr als eine Methode zur Lernoptimierung. Wir sehen darin eine dem Kind gerecht werdende Form von Schule. Hier wird die Individualität und die Eigentätigkeit des einzelnen Kindes in die Mitte des pädagogischen Handelns gestellt. Die "sensiblen Phasen" des Kindes rücken in den Mittelpunkt. Von Kindern erfordert diese Form von Schule höchste Anstrengung und ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Dabei begleitet der Lehrer die Kinder und gibt mit der vorbereiteten Umgebung die Richtung vor. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch die lange gemeinsame Zeit von Schülern und Klassenleitern, in der Grundschule vier Jahre in der Hauptschule von Klasse 5 bis 10. Hier können individuelle Lernwege angelegt, gemeinsam beschritten und verwirklicht werden. Für die Kollegen bedeutet die Freie Stillarbeit ein Perspektivenwechsel, als Begleiter der Kinder während der FSA wird er zum aufmerksamen Beobachter und Buchhalter, der sich je nach Bedarf an der individuellen Lernplanung und dem Lernprozess beteiligt.

Für die Schüler bedeutet Freie Stillarbeit:
Freie Wahl des Arbeitsthemas: Das Kind wählt seine Arbeit täglich aus der vom Lehrer vorbereiteten Umgebung. In dieser vorbereiteten Umgebung finden die Schüler "Schlüssel zur Welt", die den Fächern Mathematik, Deutsch, den Vernetzten Unterrichtseinheiten oder auch besonderen Projekten zugeordnet werden können.
Freie Einteilung der Arbeitszeit: Wenn Kindern ihr individuelles Lern- und Arbeitstempo zugestanden wird, schafft dies ein Selbstvertrauen, das auch vor größeren Vorhaben nicht zurück schrecken lässt. So können Arbeiten mehrere Tage dauern, aber auch der Wechsel von verschiedenen Arbeiten innerhalb der Freien Stillarbeit ist möglich und wird von den Kindern verantwortungsvoll praktiziert. Das Arbeiten im eigenen Rhythmus führt zum Begreifen. Selbstverständlich dürfen hier keine 45 Minutentakte das Maß vorgeben.
Freie Partnerwahl: Neben der Einzelarbeit sind hier auch immer wieder Arbeiten in wechselnden Gemeinschaften möglich. Gegenseitige Rücksichtsnahme, gegenseitiges Helfen führen zu Solidarität und sozialem Miteinander.

Freie Stillarbeit ist also mehr als Stillbeschäftigung. Die vom Lehrer vorbereitete Umgebung grenzt die Wahlmöglichkeit ein und gibt eine Richtung vor. Die Tatsache, dass neben den Kompetenzen lesen/schreiben auch der gesamte Mathematikinhalt in dieser Freien Stillarbeit erarbeitet wird, macht diese Einschränkung verständlich. Stillarbeit bedeutet für uns keine unnatürlilche Stille bzw. Ruhe, sondern eine Hinwendung zum Wesentlichen in einer Form, die produktives Arbeiten auch mit dem Nebensitzer ermöglicht. Arbeit und Eigeninitiative steckt schließlich in einer Form dahinter wie sie im Frontalunterricht selten gefordert wird. Täglich werden zu der geleisteten Arbeit Protokolle angefertigt - meist mit einer eigenen Rückschau und Reflexion zum Werk des Tages. Die Ernte des Tages wird täglich begutachtet und reflektiert. Wir trauen den Kindern zu, dass sie verantwortungsvoll, selbständig, selbstkritisch sich als Ursache ihrer Leistung erkennen. Die Freie Stillarbeit verlangt täglich "persönliche Bestleistungen".

Der Vernetzte Unterricht - "Die Menschen stärken und die Sachen klären," (Hartmut v. Hentig)
Der Marchtaler Plan, unser Erziehungs- und Bildungsplan, zielt auf eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung der uns anvertrauten jungen Menschen. Die Ganzheitlichkeit verlangt eine Auseinandersetzung zwischen Mensch und Sache. Aus diesem Grund hat der Vernetzte Unterricht die herkömmliche Gliederung der Lerninhalte nach Fächern überwunden und stellt Themen in den Mittelpunkt des Unterrichts. Hier werden Sachverhalte so dargestellt, dass die ihnen innewohnenden Aspekte fächerübergreifend zum Tragen kommen und zu einer ganzheitlichen Größe vernetzt werden. Dabei werden entsprechende religiöse, ethische, personale und soziale Bedeutungen im Netz integriert. Auch in diesem Bereich der Epochenarbeit leistet der Klassenleiter die Hauptaufgaben des Vernetzens. Viele unserer Kollegen übernehmen hierbei für sie fachfremde Inhalte in "ihr Netz" oder holen sich entsprechende Fachleute, um das Netzwerk "anzureichern". Wobei auch hier individuelle, von Lehrer zu Lehrer unterschiedliche Herangehensweisen bereichernde Momente sind. Inhalte des Faches Deutsch werden grundsätzlich in die Vernetzten Unterrichtseinheiten einbezogen und erfahren dabei konkrete Anwendungen. Exemplarisches und projektartiges Arbeiten zeichnen den Vernetzten Unterricht aus und sorgen mit dafür, dass Einzelheiten in Beziehung treten und so zu einem vernetzten Zusammenspiel werden, das Erkenntnisse vermitteln kann, welche die Kinder und Sachen in einen Dialog bringen.
Außerunterrichtliche Veranstaltungen im Rahmen des Vernetzten Unterrichts ermöglichen Originalbegegnungen, die Zugänge zur Welt öffnen. Aus diesem Grunde finden viele Lern- und Lehrgänge, aber auch längere Aufenthalte außerhalb der Schule statt. Einige Beispiele hierfür sind:
UE 3.5 "Jesus Christus - Brot des Lebens" - Bewirtschaften eines Weizenfeldes
UE 5.1 "Unsere Heimat ein Stück Erde" - Einwöchige Bodensee-Radrundfahrt
UE 6.7 "Die Wiese als Lebensraum" - Einwöchiger Hüttenaufenthalt inmitten von Almwiesen
UE 7.5 "Europa unsere Zukunft" - Zweiwöchiges Schullandheim in dem Thema entsprechenden Gegenden
UE 8.5 "Menschliche Arbeit" - Dreiwöchiges Betriebspraktikum; Zweiwöchiges Waldschulheim

Der Fachunterricht
Mit der Überwindung der Fächergrenzen im Vernetzten Unterricht wurde auf gar keinen Fall der fachspezifische Zugang zu verschiedenen Themen ausgegrenzt. Fachleute mit Spezialwissen sind wie immer im Leben wichtige Wegweiser, soweit sie sich in die vorgegebenen Epochen integrieren lassen. Für unsere Schule, in der Mathematik in der Freien Stillarbeit angesiedelt ist, verbleiben als Fächer demnach noch Englisch, Sport, Technik und Hauswirtschaft, sofern sie keinen "Vernetzungsbeitrag" leisten.

Die Mittagsfreizeit
Eine Ganztagsschule personell und räumlich unterteilt in Unterricht - Mittagessen und Nachmittagsangebot wird immer darum ringen müssen einheitliche Erziehungs- und Bildungsziele verfolgen zu können. Wir streben also auch eine Mittagsfreizeit an, die sich dem gemeinsamen Bildungsauftrag stellt.
Das Mittagessen: Unsere Katholische Schule legt Wert auf das gemeinsame Mahlhalten, als Bestandteil funktionierender Gemeinschaft. In der Regel isst der Klassenleiter mit seinen Schülern. Das Essen wird in der eigenen Küche zubereitet. Die Mädchen und Jungen erhalten von vertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihr Essen und nehmen es an ihrer Tischgruppe gemeinsam ein. Das Tischgebet wird bereits in der Vorbereitung auf das Essen im Klassenzimmer gemeinsam gesprochen. Man beginnt das Essen gemeinsam und löst die Tischgemeinschaft auf, in dem jeder sein Geschirr abräumt und die Tischgruppe für die nachfolgenden Klassen hergerichtet wird.
Offene Klassen: In der Regel sind die Klassenzimmer mit der vorbereiteten Umgebung auch in der Mittagszeit geöffnet. Der Klassenleiter steht für Rückfragen oder auch zum persönlichen Gespräch zur Verfügung. Oft wird die Zeit der Offenen Klasse auch dazu genutzt "zu Hause" im Klassenzimmer zu spielen oder miteinander zu sprechen.
Mittagsfreizeitstützpunkte: Die Zeit zwischen Mittagessen und Unterrichtsbeginn am Nachmittag wird oft unterschätzt und vernachlässigt. Wir sind der Überzeugung, dass auch hier Erziehungs- und Bildungsarbeit geleistet werden kann und muss. So finden die Schüler in diesem Zeitraum eine Palette von Stützpunkten vor die von Sport und Spiel, Brett- und Gesellschaftsspielen, Freiem Werken und Basteln bis hin zum Lesen oder Spaziergang alles ermöglichen. Auch für uns ist es immer noch erstaunlich wie sich die weit über 700 Ganztagsschüler von Klasse 3 bis 10 im Haus und Gelände verteilen. Im Wald, im Biotop, im Schulgarten, am Bienenhaus, in verschiedenen Buschgruppe oder auch im Meditationsraum finden sie ihre Art der gemeinsamen Gestaltung der freien Mittagszeit.

Die Freizeiterziehung
Auch die Freizeiterziehung war schon seit der Gründungszeit ein echtes Anliegen der Schulkonzeption, obwohl damals die Bedeutung der wachsenden Medienwelt und der damit verbundenen Gefahren noch nicht in einem Maße wie heute präsent waren. Schule als Lebensraum mit dem Anspruch ganzheitlicher Erziehung und Bildung kann sich diesem Bereich menschlichen Seins nicht verschließen. So gilt unser Augenmerk weitgefächerten Kultur- und Freizeitangeboten, die durch die Auswahl und Zusammensetzung verschiedensten Neigungen und Interessen gerecht werden sollen. Sport, Spiel, Theater, Zirkus, Musik, Bildhaftes Gestalten, Textiles Werken, Musisches Werken, Neue Medien geben hier ebenso die Richtung an wie Soziales, Natur und Umwelt. In den Freizeitgruppen werden die jungen Menschen von pädagogischen Mitarbeitern je nach Wahl auch mit vertrauten Lehrern aus den Klassen begleitet und geführt. Sie erleben Gemeinschaften, die sich aus anderen Jahrgängen und Klassen zusammensetzen. Sie müssen sich einbringen, anpassen und aktiv am Gelingen der Freizeitaktivität beteiligen. Sie pflegen Kontakte, lernen vernünftig und rücksichtsvoll miteinander umzugehen. So wird auch ein sinnvolles Freizeitverhalten zu einem Erziehungs- und Bildungsziel auf dem Weg der Selbstfindung der jungen Menschen.



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