Demokratie bewegt

Farbe bekennen für die Demokratie“

Ein Demokratieprojekt der Klasse 9

„Demokratie bewegt- Farbe bekennen für die Demokratie“, so lautete der Titel unseres Demokratieprojekts, das vom 3.6.19 bis 5.6.19 an der Bodenseeschule St. Martin stattgefunden hat.
Wie die Idee entstand:
Anfang des Jahres haben wir gemeinsam eine Veranstaltung von „Demokratie leben“ besucht. In einer beeindruckenden Lesung wurde das Buch „Der Junge, der nicht wusste, wo er war“, als Geschichte eines ehemaligen KZ-Häftlings in Ausschwitz, Mano Höllenreiner, einem größeren Publikum präsentiert. Es berührte uns sehr, wie Mano als Kind die Zeit im KZ überlebte und später in einer französischen Pflegefamilie aufwuchs, wo er deren Sprache erlernte und sich verborgen hielt, bis ihn im Dezember 1946 seine Eltern wiederfanden. Die Veranstaltung führte dazu, dass wir uns näher mit dem Thema Demokratie und Frieden auseinandersetzen wollten. Es war uns dabei wichtig, nicht nur aus Büchern zu lernen, sondern mit allen Sinnen am Geschehen beteiligt zu sein und etwas zu gestalten, das in künstlerischer Weise Ausdruck darüber gab, wofür wir einstehen wollten: Für den Frieden und die Werte der Demokratie!

Bild:Demokratieprojekt

So bereiteten wir im Rahmen des Deutschunterrichts lyrische Texte vor, die später Grundlage einer Performance werden sollten. Wir setzten uns in Geschichte mit der Zeit vom ersten Weltkrieg bis zum zweiten Weltkrieg auseinander sowie mit dem Thema „Toleranz und Integration - Verschiedene Kulturen in Deutschland“. In diesem Zusammenhang fertigten wir Plakate an, die einen Überblick über die verschiedenen Kulturen und Herkunftsländer der Schüler unserer Klasse geben sollten. In Sport studierten wir seit Anfang des Jahres einen Tanz gegen Rassismus und Gewalt ein und in Musik übten wir den Song: „Seite an Seite“, der am Ende unserer geplanten Performance eingebaut werden sollte.
Schließlich fanden unsere 3 Projekttage statt, bei denen wir mit verschiedenen Lehrern in Neigungsgruppen zusammen arbeiteten. Immer wieder gab es dazwischen kurze Phasen der Reflexion, die uns motivierten, weiter zu gehen. Der Prozess stand im Vordergrund; zugleich aber war es unsere Absicht, am Ende der Projekttage einem größeren Publikum Einblick in unsere Arbeit zu geben. Wir wollten, dass unsere Botschaft nicht allein bei uns blieb, sondern auf irgendeine Weise auch nach außen gelangte!
Was wir in unserem Projekt erlebt haben und wofür wir einstehen:
Mit Hilfe interdisziplinärer Workshop-Angebote (Deutsch – Musik – Technik - Kunst-Geschichte - Ethik / Religion, Zirkusakrobatik - Sport und Bewegung) haben wir uns im Rahmen des Unterrichtsthemas „Menschrechte und moderner Staat – auf dem Weg zum verantwortungsbewussten Staatsbürger“ mit den Werten der Demokratie auseinandergesetzt und uns für die Vielfalt in einer multikulturellen Gesellschaft eingesetzt. 11 Nationen besuchen unsere Klasse… Südafrika, Italien, Spanien, Polen, Ungarn, Rumänien, Türkei, Tschechoslowakei, Albanien und Serbien….
da sind Werte wie Offenheit, Toleranz, Respekt und Friedensfähigkeit ein wichtiges Schlagwort. Wir wollten aber nicht nur darüber reden, sondern vor allem im Handeln erfahren, welches Potential in der Demokratie liegt, die Generationen vor uns für uns erkämpft haben und die wir als deutsche Staatsbürger heute als Geschenk in die Wiege gelegt bekommen. Demokratie haben wir erfahren als hohes Gut, das es zu bewahren gilt und für deren Erhaltung wir ALLE miteinander Verantwortung tragen. So sollte in unserem Projekt einer gemeinsamen Stimme Ausdruck verliehen werden, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit aussprach.
Bild:Demokratieprojekt

Demokratie - Ich steh dahinter!
„Demokratie – ich steh dahinter!“ Dieser Slogan macht deutlich, dass es nicht in erster Linie um große Taten geht, sondern um unsere innere Haltung und um unsere Einstellungen. Kleine Schritte, kleine Worte, kleine Taten, im ganz konkreten Alltag Vorbild sein, dies kann mehr bewegen als wir oftmals vermuten. Es geht letztlich darum, eine innere Bereitschaft zu entwickeln, sich an dem Ort, an dem man sich befindet, zu engagieren und die Welt damit ein klein wenig bunter und schöner zu machen. Dazu braucht es Mut und Kreativität!
a) Kreativ in Gruppe 1 – Zirkusperformance:
„Mir hat gut gefallen, dass man kreativ sein konnte“, so schrieb eine Schülerin bei der Gesamtauswertung unseres Projekts. In der Workshopgruppe „Zirkus“ war der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hier konnte probiert und ausprobiert werden, was im Alltag oftmals nicht möglich ist. Am Ende setzten wir unsere Szenen zu einer Inszenierung zusammen, die uns das Geschenk der Freiheit noch einmal deutlich bewusst machte. Die Spieler befanden sich hierbei zunächst in einem Käfig, der von Gefängniswärtern bewacht wurde. Immer wieder gelang es einzelnen Figuren herauszutreten, eine Nummer vorzuführen oder einen Text über die Freiheit zu lesen und sich dabei aus der Gewalt der Wärter zu befreien. Am Ende gewannen Vielfalt, Form und Farbe den harten Kampf um Freiheit und Demokratie und die Wärter selbst wurden von jubelnder Menge begleitet, im Käfig von der Bühne geschoben. Ein ausgelassener Tanz sowie der Song „Seite an Seite“ machten dem Publikum deutlich, dass Demokratie nur in Gemeinschaft und in gemeinsamer Verantwortung für das gute Miteinander gelingen kann.
b) Kreativ in Gruppe 2 – Vorbereitung einer Ausstellung sowie eines internationalen Buffets
In dieser Workshopgruppe wurden Skulpturen aus Holz erarbeitet. Jede Figur, die wir erstellten, trug, ähnlich dem Logo von „Demokratie leben“, ein buntes Kleidungsstück. Anstelle von Gesichtern waren in die Figuren Guckfenster eingelassen, die für Fotografie genutzt werden konnten, um der Vielfalt unserer persönlichen Alltagsgesichter Ausdruck zu verleihen. Am Tag der Präsentation wurde im Anschluss an die Zirkusperformance ins Kleine Theater eingeladen, wo wir die Figuren, nebst anderen Ausstellungsstücken und Plakaten präsentierten. Später wurden die Figuren im Eingangsfoyer des Schulhauses ausgestellt, um die Vorübergehenden zum Nachdenken und zur Interaktion anzuregen.
Demokratie schafft Begegnung und Raum für Entfaltung
Raum für Begegnung gab es im Anschluss an die Darbietungen im kleinen Theater. Neben Schülern der Stufe 9 wurden Eltern, Lehrer, und Gäste aus der Teestube Friedrichshafen eingeladen, um das Projekt ausklingen zu lassen, sich auszutauschen, gemeinsam das internationale Buffet zu genießen und miteinander zu feiern.
Bild:Demokratieprojekt

„Dieses Projekt hat unsere Klassengemeinschaft gestärkt“, so schrieb eine Schülerin, und weiter: “Wir haben alle fest zusammengehalten!“ Ein anderer Schüler brachte zum Ausdruck: „Wir haben etwas gemeinsam erarbeitet, was uns wichtig war. Ich nehme daraus Freundschaft mit und Freude am Leben.“ „Ich nehme mit, dass Demokratie ein Geschenk ist“, so schrieb ein Dritter… „Es fühlte sich an, wie ohne Grenzen!“, stand in zarter Schrift auf dem Plakat, das am Ende unserer Reflexion vorgelesen wurde.
Vor allem der letzte Satz macht deutlich, dass im Schaffensprozess des Demokratieprojekts Formgebung und zugleich Entgrenzung geschah. Der Einzelne wuchs über sich hinaus; es wurden Dinge ausprobiert, Dinge gesagt und getan, die sich manche / mancher vorher nie zugetraut hätte. Dafür brauchte es Raum zur Begegnung, Raum für Entfaltung und auch Vorgaben, Regeln, die dem Einzelnen Sicherheit vermittelten. Übertragen auf unsere Vorstellung von Demokratie könnte es so formuliert werden:
Demokratie heißt nicht, dass man machen kann, was man will. Demokratie nimmt erst durch Formgebung Form und Gestalt an!

Bild:Demokratieprojekt

Demokratie braucht Farbe und Visionen – Beeindruckende Zitate und Schülertexte

„Ich wünsche mir Frieden für Flüchtlinge in Syrien. Ich wünsche mir vor allem Eines auf der Welt: Dass sich die Menschen respektieren und lieben“. (Schüler der 9 a)

„Es ist doch völlig egal, welche Religion oder Hautfarbe wir haben, wir sind doch alle nur Menschen!“ (Schülerin der 9 a)

Unfreiheit
Draußen im Freien und trotzdem nicht frei
Eingeengt durch den Druck, der einem zugesprochen wird
Eingeengt durch mangelnde Meinungsfreiheit
Verurteilt werden aufgrund der eigenen Meinung
Das machen müssen, was andere von einem verlangen
Nie das tun können, was man will
Der Körper ist frei, doch die Seele und der Geist nicht
Das Geheimnis von Freiheit aber ist Mut!
(Schülerin der 9 a)

„Ich verstehe manche Menschen nicht, was sie gegen Vielfalt haben oder gegen das Unbekannte. Was Neues zu entdecken macht Spaß, bringt Freude und man lernt dazu. Manche Menschen sind einfach zu eng gestrickt. Sie haben keinen Platz für Toleranz!“ (Schülerin der 9 a)

Der Krieg ist eine schwere Last
Weil er alles Leben hasst
Es beendet und zerstört
Weil niemand mehr auf Frieden hört
(Schüler aus der 9a)

Das Kind schreit
Die Mutter weint
Der Vater tot
Der Untergrund rot
Das Herz durchschossen
Sein Licht erloschen
Die Mutter erstarrt
Das Kind verharrt
Der Wind pfeift
Die Flucht ist reif
Die Tropfen fallen nieder
Immer und immer wieder
Gefürchtet sei der Mann
Der all dies leiten kann
Schmerz und Leid
Der Alltag, die Liebe: Bitterkeit!
(Schülerin der 9 a)

Toleranz
„Das bedeutet für mich: Die Unterschiede und die Einmaligkeit anderer respektieren. Ohne Toleranz keine Demokratie!“ (Schülerin der 9a)

Freiheit
Freiheit ist, lieben zu dürfen, wen man will, egal ob man hetero, lesbisch, bisexuell oder Trans ist. Freiheit bedeutet für mich, meine eigene Meinung zu äußern, ohne dafür Ärger zu bekommen oder Angst zu haben. Freiheit ist es, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Freiheit ist, lernen zu können und in Ruhe und Frieden zu leben. Freiheit ist, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Freiheit ist, mein Leben so zu leben, wie es mich glücklich macht.
(Schülerin der 9a)


Krieg
Die Soldaten schreiten aus
Die Bomben fallen ohne Paus‘
Dörfer und Städte sind am Ende
Blut klebt an deren Hände
Er sagt: Die Nachricht, die ich werde dir senden
Ist mein Abschied, denn dies ist mein Ende!
Es tut mir leid, mein Schatz
Dies ist mein letzter Satz
Denk an mich und beschütze unser Kind
Wenn mein Leben nun versinkt.
Dies alles, die Schuld eines Einzigen, er brachte nur Tod
Er nannte sich Hitler, er war kein Patriot!
Damals war das Töten sogar legal
Diesem Menschen war es völlig egal
Sowas darf nie wieder geschehen!
Deshalb sollten alle genauer hinsehen
Frieden können wir nicht alleine schaffen
Darum bitte ich Euch, heute schon mitzumachen!
(Schülerin der 9a)

Schluss mit falschem Frieden - Schluss mit Krieg!
Falscher Frieden herrscht bei uns
Die Freiheit ist noch weit entfernt
Gefühle werden unterdrückt…
Wenn niemand aus den Fehlern lernt
Aus Angst vor allem Unbekannten
Die Augen schließt, so voller Wut
Und nur die SEINEN toleriert
Grenzen zieht und Mauern baut
Keinen Frieden akzeptiert
Dann hat niemand mehr den Mut
Aufzustehen, zu sagen „NEIN!“
Wir wollen echten Frieden, ohne Krieg und Vorurteil
Auch woll‘n wir in Vielfalt leben
Begraben nun des Krieges Beil!
(Schülerin der 9a)

Füreinander
Recht
Integration
Einander unterstützen
Demokratie
Einer für alle
Niemals allein
(Schüler der 9a)


Bild:Demokratieprojekt

Demokratie braucht Ausdauer– Wir bleiben dran!
Zunächst einmal ein herzliches Dankeschön an die Organisation „Demokratie leben“, die uns dieses Projekt durch ihre finanzielle Unterstützung möglich gemacht hat.
Wie es nun weitergeht? Natürlich ist es nicht mit einem Projekt getan! Der Friede und die Werte unserer Demokratie sind unsagbar kostbar und dabei doch stets auch gefährdet, wie alles, was uns kostbar ist, gefährdet und schützenswert ist. Die Angst verlieren vor der Vielfalt: Durch Begegnungen, durch Nähe und Gemeinschaft. Dies könnte ein Weg sein…. ein Weg für den Frieden, für den wir gemeinsam einstehen wollen! Wir bleiben dran!



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Online gestellt von: Frau Evelyn Löscher

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