Emily auf dem Weg in ein neues Leben

Bild:Könnt ihr ein Geheimnis bewahren?
Ich weiß ja, dass jeder ein Geheimnis hat, aber meins ist anders.

Angefangen hat alles in der siebten Klasse, als ich endlich am Schwimmunterricht teilnehmen durfte! Total peinlich, meine Mum hatte es mir bis dahin verboten. Aber kaum war ich im Wasser, geschah etwas Seltsames, es war unheimlich.

Ich stand am Beckenrand und schaute auf den Mann mit der Trillerpfeife. Dieser Mann hieß Bob und er bat uns zu sagen, ob wir schwimmen können oder nicht. Ich wusste nicht, ob ich sagen soll, dass ich schwimmen kann oder nicht. Als Bob mich fragte: „Emily, kannst du schwimmen?“, antwortete ich leise: „Ich kann schwimmen.“ Ich wusste, dass ich noch nie geschwommen bin, aber das Wasser zieht mich an.
Bob sagte zu mir: „Emily, möchtest du den Anfang machen?“ Ich stotterte: „JJJaa.“ Fünf Sekunden später, als ich im Wasser war, sind meine Beine zu einem Fischschwanz geworden. Ich bekam Angst. Ich sank. Als Bob sah, dass ich sank, sprang er ins Wasser und rettete mich.

Ich bin zu einem Meermädchen geworden!!!

Als ich wenig später im Bus saß, redete die ganze Klasse darüber, wie ich ins Wasser gefallen bin. Sie laberten alle im Chor: „Fischmädchen, Fischmädchen!“
Ich war mir nicht sicher, ob sie meinen Fischschwanz gesehen hatten? Juli lachte nicht, sondern flüsterte mir ins Ohr: „Lass dich von diesen Dummköpfen nicht ärgern!“

Zuhause fragte meine Mutter, wie es in der Schule und im Schwimmunterricht war. Ich erzählte natürlich nicht, dass ich ein Meermädchen geworden bin, sondern nuschelte vor mich hin: „Ja, ja, alles o.k.“

In der Nacht wollte ich wieder ins Wasser gehen. Ich zog meinen Badeanzug an und sprang hinein. Ich wurde zum Meermädchen und schwamm zum Regenbogenfelsen. Dort setzte ich mich auf den Regenbogenfelsen und mein Silber und Gold schimmernder Fischschwanz verschwand. Plötzlich kam ein Meermädchen an die Oberfläche geschwommen. Sie erschrak, als sie meine Beine sah und wollte fliehen. Da rief ich: „Nein, bleib hier. Ich bin auch ein Meermädchen!“ Mit einem Satz sprang ich ins Wasser und hielt meinen Fischschwanz hoch. „Siehst du, ich habe auch einen Fischschwanz!“ Das Mädchen kam näher und flüsterte unsicher: „Wie ist das möglich, eine Nixe und ein Mensch zu sein?“
Ich antwortete: „Ich weiß auch nicht.“
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte das Mädchen.
„Emily Neptun. Und du?“
„Shona Seidenflosse.“
„Emily“, sagte Shona. „Ich habe deinen Nachnamen schon einmal in einem Buch gelesen.“
Ich war fassungslos: „Echt?“
Shona überlegte, dann nickte sie und sah mich an. „Ich glaube, es war in der Nixenschule“, sagte sie. „Als wir über Neptun gesprochen haben. Du hast nicht deinen Vater verloren, oder?“
„Ich habe meinen Vater noch nie gesehen“, antwortete ich.
„Komm doch mal mit in die Nixenschule“, schlug Shona vor. „Dann finden wir heraus, ob du Neptuns Tochter bist.“
„Ja“, antwortete ich. „Wann ist denn wieder Nixenschule?“
„Morgen um 10:00 Uhr“, erwiderte Shona.
„Samstags?“, fragte ich überrascht.
„Ja, wieso nicht? Treffen wir uns kurz vor zehn wieder hier?“
„Geht klar!“, meinte ich.

Ich schwamm zurück, meine Mutter schlief bereits.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und schrieb schnell einen Brief für meine Mutter. Natürlich konnte ich ihr nicht sagen, wo ich hin wollte.
Deshalb schrieb ich: Mum, ich bin unterwegs. Wenn du dich fragst wohin, ich gehe zu Juli.
Emily.

Ich wohnte auf einem Fischerkahn. Deshalb war das Wasser vor meiner Haustür. Ich hatte meine Jacke und meine Schuhe unter dem Bett versteckt, damit ich unbemerkt gehen konnte. Ich sprang ins Wasser und schwamm zu den Regenbogenfelsen, wo Shona mich erwartete.
„Da bist du ja endlich. Ich warte schon seit Stunden.“, begrüßte sie mich.
„Aber die Schule fängt doch erst in 15 Minuten an.“, antwortete ich.
„Ja, ich weiß, aber wir wollen doch noch in die Mediathek und nach Neptun schauen.“

Wir schwammen zum Meeresgrund, flitzten in eine Höhle und am anderen Ende kamen wir in einer Meermenschen-Welt heraus. Shona schwamm in eine riesengroße Muschel, die von oben bis unten mit Silber bedeckt war. Ich schwamm hinterher. Da staunten alle Meermenschen, die in der Nixenschule waren. Ein Meermädchen namens Lyla fragte: „Shona, wer ist das?“
„Das ist Emily Neptun“, antwortete Shona.
„Emily, dein Fischschwanz ist wunderschön. Ich glaube, du bist eine Meeresprinzessin.“, meinte Lyla.
„Ich weiß nicht, ob ich Neptuns Tochter bin. Deshalb bin ich hier.“, erklärte ich.
„Du bist in keiner Nixenschule“, wollte sie wissen.
„Ja, ich…“
„Wir müssen los in die Mediathek, Lyla. Tut uns leid….“, fiel Shona mir ins Wort.
„Lyla, du kannst doch mit!“, sagte ich.
„Echt?“, fragte sie erfreut.
„Ja klar, los kommt“, sagte Shona ungeduldig.
Wir schwammen in die Mediathek.
Shona suchte nach Informationen zu Neptun.
Da kam Mrs. Wirbel und fragte: „Shona, was machst du in der Abteilung Neptun?“
Shona bekam gerade noch die Kurve und wisperte: „Wir wollen nur wissen wir alt Neptun geworden ist?“
Mrs. Wirbel schwamm, ohne ein weiteres Wort zu sagen, weg.
„Puh, das war knapp.“, sagte Shona erleichtert.
Plötzlich fand sie das Buch, das sie suchte und wir begannen darin zu blättern.
Da fiel ein Zettel heraus. Darauf stand:

Liebe Emily,
ich hoffe, du wirst diesen Brief eines Tages finden, denn ich möchte dir schon immer sagen, wie sehr ich dich vermisse. Sicher hast du inzwischen bemerkt, dass du halb Mensch halb Meermädchen bist. Das liegt daran, dass ich dein Vater bin.
Ich hoffe, es geht dir gut und du kommst mich bald besuchen. In diesem Buch, wo du den Brief gefunden hast, befindet sich noch ein anderer Zettel mit einer Karte. Dort ist eingezeichnet, welchen Weg du schwimmen musst, um mich zu finden.

Dein Vater Neptun

Ich fing vor Freude an zu weinen. Ich hatte meinen Vater gefunden. Ich wollte ihn unbedingt sehen.
Shona sagte schon richtig albern: „Eure Majestät, wollen Sie denn nicht die Krone aufsetzen?“
„Ach Shona, sei nicht so albern.“, sagte ich lachend. „Wir müssen meinen Vater erstmal finden.“
Wir schnappten uns die Karte und machten uns auf den Weg. Wir hatten schon die Hälfte des Weges hinter uns, da versperrte ein Hammerhai uns den Weg.
Shona schrie: „Benutz deine Kräfte!“
Ich versuchte meine ganze Kraft einzusetzen. Ich formte Blitze und wendete meine ganze Magie an. Es war unglaublich, plötzlich verschwand der Hai und es tauchte ein wunderschönes Schloss auf. Es war Neptuns Schloss. Das Schloss meines Vaters.
Wir klopften an die schönen silbernen Muscheltüren. Sie öffneten sich und ein kleiner Zackenbarsch kam zum Vorschein. Er redete mit piepsiger Stimme: „Habt ihr euch verirrt oder wollt ihr zu Neptun?“ Ich ergriff das Wort und sagte: „Nein wir haben uns nicht verirrt. Mein Name ist Emily Neptun.“ Der kleine Zackenbarsch war ganz aus dem Häuschen. Er hüpfte vor Freude und rief: „Neptun, Neptun…!“
Neptun schwamm herbei und fragte: „Bist du wirklich Emily Neptun?“
„Ja, das bin ich.“, antwortete ich.
Plötzlich fiel ich meinem Vater um den Hals und es gibt ein glückliches ENDE.

Geschrieben von Aimée Gumpoltsberger, 10 Jahre, FU 7b



Link zum Artikel: http://www.bodensee-schule-st-martin.de?Page_ID=5&Article_ID=305

© Bodensee-Schule St. Martin Freie Katholische Grund- und Werkrealschule mit Sozialwissenschaftlichem Gymnasium 2017
Zeisigweg 1 | 88045 Friedrichshafen
Tel.: 07541 9216 0 | Fax.: 07541 9216 39 | mail@bodensee-schule.de
www.bodensee-schule-st-martin.de | www.sg-stmartin.de

design IruCom systems | Powered by IruCom WebCMS 8i